Und täglich grüßt das Murmeltier…
Die Digitalanzeige des Weckers springt auf 6.45 Uhr. Mit der Veränderung der Ziffern beginnt ein nervtötendes Klingeln. Ein Geräusch, dass nach allem anderen klingt als: “Guten Morgen und herzlich Willkommen zu einem weiteren Tag deines Lebens”.
Mit dem Klingeln beginnt der Alltagstrott. Aufstehen, Bettmachen, Kaffee kochen, Frühstücksbrötchen, Zähneputzen und los zur Arbeit. So oder so ähnlich sieht der Tagesablauf der meisten Menschen aus. Variiert mit unterschiedlichen Aufstrichen und der ewig quälenden Frage:”Nehme ich jetzt Milch mit 3,5 % oder 1,5 % Fett?”.
Herzlich Willkommen im letzten Kapitel der Zivilisation. Ja richtig, von hier an geht’s nirgendwohin, ausser bergab.
Mit dem Klingeln des Weckers springen wir in unsere persönliche Matrix und schaffen viel zu selten uns auch nur für eine Sekunde zu befreien. Was für ein Glücksgefühl mal ganz dreist eine Stunde länger im Bett liegen zu bleiben nur um zu beweisen: “Ha, schaut her. Ich kann es noch! Ich kann mein Leben aus den Angeln heben und selbst bestimmen was ich wann tue.”.
Ja klar… Wie bescheuert.
Wie viel Kinderträume sind begraben worden unter Tonnen von Verpflichtungen und dem Zwang sich unterzuordnen. Wie oft fliegen Menschen Tausende von Kilometern nach Amerika, nach Südeuropa oder sonst wo hin anstatt die Oma in Hintertupfingen zu besuchen? Klar, in Hintertupfingen steht kein Flatiron-Building und man kann an der 5th Street Ecke Broadway keinen Starbucks Coffee trinken. Da gibt’s nur den Kuchen von gestern und Kaffee, der nach Muckefuck schmeckt.
Und dennoch kommt irgendwann eine Zeit in der sich eine Fahrt nach Hintertupfingen nicht mehr lohnt, weil es Oma nicht mehr gibt. Und dann steht man am Grab und fragt sich manchmal warum man es geschafft hat 12.000 km nach Amerika zu fliegen aber nicht 350 km mit der Bahn zu fahren.
Das blöde ist: Es gibt keinen Billigflieger, der ins Jenseits fliegt.
In diesem Sinne:
Ich wünsche uns allen den Mut und die Kraft in manchen Momenten unseres Lebens genau die Dinge zu tun, die wir auch wirklich von Herzen wollen und nicht die Dinge, die andere von uns erwarten. Allem voran aber hoffe ich für uns alle, dass neben all den Dingen des Alltags, noch genügend Raum bleibt, Zeit mit der Familie zu verbringen. Denn irgendwann sind die Tage gezählt und dann bleibt die Trauer und das Gefühl der Einsamkeit. Einsamkeit mit all den Dingen, die man gern noch gesagt hätte.
Und wenn es nur ein einfacher Satz ist wie: “Ich habe mich bei all meinen Besuchen wohl gefühlt und wünschte ich hätte öfter hier sein können…”.
In Gedenken an Alfred Gottschalk
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