BERLIN AT NIGHT

I'm an Alien in Berlin – Eine Hessin in Berlin

Okt-8-2009

Und täglich grüßt das Murmeltier…

Die Digitalanzeige des Weckers springt auf 6.45 Uhr. Mit der Veränderung der Ziffern beginnt ein nervtötendes Klingeln. Ein Geräusch, dass nach allem anderen klingt als: “Guten Morgen und herzlich Willkommen zu einem weiteren Tag deines Lebens”.

Mit dem Klingeln beginnt der Alltagstrott. Aufstehen, Bettmachen, Kaffee kochen, Frühstücksbrötchen, Zähneputzen und los zur Arbeit. So oder so ähnlich sieht der Tagesablauf der meisten Menschen aus. Variiert mit unterschiedlichen Aufstrichen und der ewig quälenden Frage:”Nehme ich jetzt Milch mit 3,5 % oder 1,5 % Fett?”.
Herzlich Willkommen im letzten Kapitel der Zivilisation. Ja richtig, von hier an geht’s nirgendwohin, ausser bergab.

Mit dem Klingeln des Weckers springen wir in unsere persönliche Matrix und schaffen viel zu selten uns auch nur für eine Sekunde zu befreien. Was für ein Glücksgefühl mal ganz dreist eine Stunde länger im Bett liegen zu bleiben nur um zu beweisen: “Ha, schaut her. Ich kann es noch! Ich kann mein Leben aus den Angeln heben und selbst bestimmen was ich wann tue.”.

Ja klar… Wie bescheuert.

Wie viel Kinderträume sind begraben worden unter Tonnen von Verpflichtungen und dem Zwang sich unterzuordnen. Wie oft fliegen Menschen Tausende von Kilometern nach Amerika, nach Südeuropa oder sonst wo hin anstatt die Oma in Hintertupfingen zu besuchen? Klar, in Hintertupfingen steht kein Flatiron-Building und man kann an der 5th Street Ecke Broadway keinen Starbucks Coffee trinken. Da gibt’s nur den Kuchen von gestern und Kaffee, der nach Muckefuck schmeckt.

Und dennoch kommt irgendwann eine Zeit in der sich eine Fahrt nach Hintertupfingen nicht mehr lohnt, weil es Oma nicht mehr gibt. Und dann steht man am Grab und fragt sich manchmal warum man es geschafft hat 12.000 km nach Amerika zu fliegen aber nicht 350 km mit der Bahn zu fahren.
Das blöde ist: Es gibt keinen Billigflieger, der ins Jenseits fliegt.

In diesem Sinne:

Ich wünsche uns allen den Mut und die Kraft in manchen Momenten unseres Lebens genau die Dinge zu tun, die wir auch wirklich von Herzen wollen und nicht die Dinge, die andere von uns erwarten. Allem voran aber hoffe ich für uns alle, dass neben all den Dingen des Alltags, noch genügend Raum bleibt, Zeit mit der Familie zu verbringen. Denn irgendwann sind die Tage gezählt und dann bleibt die Trauer und das Gefühl der Einsamkeit. Einsamkeit mit all den Dingen, die man gern noch gesagt hätte.
Und wenn es nur ein einfacher Satz ist wie: “Ich habe mich bei all meinen Besuchen wohl gefühlt und wünschte ich hätte öfter hier sein können…”.


In Gedenken an Alfred Gottschalk

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Okt-8-2009

BERLIN CRASH

Es ist das Gefühl der Berührung.
In einer normalen Stadt geht man zu Fuß, verstehst du?!
Man berührt einander – man rempelt sich an.
In L.A. berührt dich nie jemand.
Wir sind doch immer nur hinter Metall und Glas…
Es ist die Berührung…
Und ich glaube diese Berührung fehlt uns so sehr,
dass wir miteinander kollidieren müssen um überhaupt etwas zu spüren…

L.A. Crash, 2004

Genau so scheint es manchmal in Berlin…
Ich erinnere mich noch an Zeiten, in denen man nicht immer hinter Glas zu sein schien…
Die Zeiten scheinen mittlerweile lange vorbei. Kaum noch trifft man Menschen und berührt einander. Das Einzige, was noch bleibt ist die Kollision…
Kaum noch treffen sich Menschen zwischen den Zeilen und tauschen sich wirklich aus. Vielmehr scheint jeder damit beschäftigt zu sein von sich zu erzählen – sich zu präsentieren.

Vielleicht ist genau das der Fluch der Großstadt; der Fluch Berlins…
Vielleicht sind es aber auch einfach nur Bewohner eben dieser Großstadt und deren Verhalten…

Nun…
Im Film hat irgendwie jeder seinen Teil gelernt… Auf die eine oder auf die andere Art und Weise.
Bleibt abzuwarten ob uns das auch gelingt. Bleibt abzuwarten, ob wir es schaffen einander zu berühren ohne gleich zu kollidieren – einander zwischen den Zeilen zu treffen und nicht nur in Oberflächlichkeiten zu verstricken.

Passt auf euch auf…

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